Fjord

17Apr/092

Internetzensur zugesagt

Toll, heute haben verschiedene Internetprovider in Berlin Zensurursulas Vereinbarung zur Sperung von Internetseiten mit Kinderpornos unterschrieben (link).

Leider bin ich davon überzeugt, dass mein Vorschlag zum Providerwechsel hier auf taube Ohren stoßen wird. Falls Ihr wissen wollt, wohin man weg von der Zensur wechselt, dann schaut mal hier.

Einen Mittschnitt der Pressekonferen heute bekommt Ihr über diesen Torrent und da werde ich jetzt mal reinhören.

11Apr/091

Kleiner Ausblick in Sachen Zensur

wikileaks-offline

Einen kleinen Ausblick in Sachen Zensur erhalten wir derzeit unter der Adresse wikileaks.de, die im Moment nur auf eine Seite der Denic führt, die darüber informiert, dass diese Domain gerade nicht erreichbar ist.

Hintergrund der ganzen Aktion ist wohl einige Unruhe, rund um Wikileaks. Wikileaks selbst hat es sich zur Aufgabe gemacht eine Plattform für politisch brisante Informationen zu sein, auf der eben solche Informationen anonym veröffentlicht werden können. Bei der erwähnten Unruhe ging es um eine Liste gesperrter Websites aus Australien, die Wikileaks zugespielt und dann dort veröffentlicht wurde, auf der sich nicht nur Kinderpornoseiten etc. befanden, sondern ebenfalls Seiten, die gekapert wurden und wo aufgrund eines Angriffs für eine gewissen Zeit zweifelhaftes Material veröffenlticht wurde. Genauer verfolgen lässt sich die Situation sicher auf netzpolitik.org und weitere Hintergründe gibt es in der Pressemitteilung auf wikileaks.org.

Hier sieht man sehr schön, wie toll Internetzensur funktioniert. Neben der evtl. sinnvollen Sperrung der wirklich bösen Seiten landen ohne eigenes Verschulden auch Seiten auf den schwarzen Listen, die dort eigentlich nichts verloren haben und da diese Listen "eigentlich" nicht öffentlich einzusehen sind, wissen die Betroffenen nichtmal davon,  sondern merken nur, dass keiner mehr ihre Seite besucht. Die Listen öffentlich zu machen, was zwar wie in Australien geschehen, mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso irgendwann passiert, würde es aber vielen, die auf der Suche nach illegalem Material sind wesentlich einfacher machen, da sie selbst nun nicht mehr zu suchen brauchen, sondern die Adressen quasi frei Haus geliefert bekommen. Mögliche Wege die Sperrung gewisser Inhalte zu umgehen, finden sich in der Regel auch relativ schnell im Netz.

Wieso aber sich die Mühe machen international gegen z.B. Kinderpornos vorzugehen und dafür zu sorgen, dass die Inhalte verschwinden, wenn man doch durch das Hilfsmittel der Zensur alles viel einfacher lösen kann. Dass man damit Begehrlichkeiten weckt, evtl. nicht nur Kinderpornos zu sperren, sondern später rechte Seiten, Tauschbörsen, oder einfach politisch nicht gern Gesehenes ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen (<- Ironie!!!).

UPDATE:

Wie sich nun herausgestellt hat, steht die Nichterreichbarkeit von Wikileaks über wikileaks.de glücklicherweise nicht wirklich im Zusammenhang mit der Hausdurchsuchung bei Theodor Reppe. Dazu gibt es zwei Stellungnahmen eine vom Provider und eine auf Wikileaks.org.

Im Endeffekt ist es natürlich zu begrüßen, dass doch nicht zensiert wurde o.ä.. In wie weit die Stilllegung von wikileaks.de jetzt die Schuld von Theo Reppe war, oder einfach mangelnde Kommunikation von einer der beiden Seiten, sei einmal dahingestellt. Viel wichtiger ist der Blick z.B. auf Australien, wo Internetzensur bereits stattfindet und sich klarzumachen, dass dies keine gute Idee ist, auch nicht gegen Kinderpornos. Einen sehr netten Artikel dazu gibt es in der aktuellen C't und die wichtigsten Argumente sind mit Links nochmal auf Netzpolitik.org zusammengefasst.

Eine kleine Episode aus dem C't-Artikel sei hier aber dann doch erwähnt, denn dort wird unter anderem berichtet, dass in Dänemark, wo es schon eine Liste der bösen Websites gibt, aber damit die aktive Arbeit gegen Kinderpornos dann auch zu Ende ist. Es wurden testweise ein paar Adressen dieser Liste, die in den USA gehostet wurden aufgegriffen und bei den zuständigen Stellen dort gemeldet und siehe da, alle Seiten, die keine Altersnachweise für die dargestellten Personen erbringen konnten, waren ratz fatz vom Netz. Dummerdings hat sich die Arbeit sich um das Abschalten der Seiten zu kümmern in Dänemark niemand mehr gemacht. Die Seiten waren schließlich schon zensiert.

Ob es besser ist die Seiten nur mit potentiell umgehbaren Sperren zu versehen, oder sich dafür stark zu machen, sie ganz vom Netz zu nehmen, darf nun selbst überlegt werden. Evtl. mit dem Gedanken im Hinterkopf, welche Begehrlichkeiten ein einmal installiertes Zensursystem wecken könnte wird.